Working Mama: Nach der Geburt ist alles anders

Working Mama nach der Geburt: über Arbeit, Identität, Mental Load und das gleichzeitige Lieben von Kind und Beruf.

Ein Photo von mir als Working-Mama

Übersicht

Was passiert, wenn die Geburt vorbei ist und der Alltag beginnt. Wenn man Mutter ist und arbeitet und beides ernst meint. Man würde mich vermutlich eine Working Mama nennen. Für mich fühlt es sich eher wie ein ständiges Aushandeln an. Ein persönlicher Blick auf das Leben als Working Mama, jenseits von Ratgebern und Rollenbildern.

Nach der Geburt beginnt das Leben als Working Mama

Meine Geburt war ein geplanter Kaiserschnitt. Alles war vorbereitet. Jeder Schritt klar. Jeder Wunsch ausgesprochen. Ich wusste, was passiert. Ich wusste, was ich will. Und genau so ist es gelaufen.

Die Geburt war ruhig. Kontrolliert. Stimmig. Gesundes Kind. Mir ging es gut. Alles war genau so, wie es sein sollte. Und dann saß ich ein paar Wochen später auf dem Sofa. Stillkissen auf dem Polster. Krümel überall. Handy in der Hand. Und dachte: Aha. War das jetzt alles. Nicht falsch verstehen. Ich war dankbar. Müde, aber dankbar.

Dieses kleine Wesen. Dieser Geruch. Diese neue Art von Liebe, die einfach da ist, ohne dass man sie lernen musste. Und trotzdem hatte ich das Gefühl, dass etwas fehlt. Oder besser gesagt: dass ich irgendwo liegen geblieben bin.

Am Anfang interessieren sich alle für dein Baby. Dann eine Weile für deinen Körper. Und irgendwann für nichts mehr von beidem. Ab da bist du einfach Mutter. Punkt.

Ich habe gemerkt, wie schnell alles andere leise wird. Meine Gedanken. Meine Ambitionen. Mein Arbeits Ich. Nicht, weil ich es loslassen wollte. Sondern weil niemand mehr danach gefragt hat.

Wenn niemand mehr fragt, wer du sonst noch bist

Früher haben Menschen gefragt, was ich arbeite. Heute fragen sie, wie alt mein Kind ist. Das ist kein Vorwurf. Es ist eine Beobachtung. Und sie hat etwas mit mir gemacht. Denn ich war nicht plötzlich nur Mutter. Ich war immer noch jemand mit Gedanken, Ideen, Ehrgeiz, Lust auf Leistung. Nur passte das auf einmal nicht mehr so richtig ins Bild.

Ich habe versucht, mich daran zu gewöhnen. Habe mir gesagt, dass das jetzt eben so ist. Dass diese Phase alles überlagert. Dass anderes warten kann. Aber Arbeit ist nicht nur etwas, das man tut. Sie ist auch etwas, das einem Struktur gibt. Würde. Eigenständigkeit. Ein Gefühl von Ich. Und genau das ist nach der Geburt oft das Erste, was verschwindet.

Working Mama ist kein Titel. Es ist ein innerer Konflikt

Lange mochte ich dieses Wort nicht. Working Mama. Es klingt nach Vereinbarkeitspodium, nach schlechtem Gewissen und nach gut gemeinten Ratschlägen. Nach alles ist möglich, wenn du es nur richtig organisierst. Dabei ist es viel banaler. Und viel komplizierter. Working Mama heißt nicht Karriere im Blazer.

Es heißt, mit Stillfleck auf dem Shirt eine E Mail zu tippen und sich zu fragen, ob man gerade priorisiert oder einfach nur müde ist.

Es heißt, sich auf Arbeit wieder lebendig zu fühlen und sich dafür innerlich zu entschuldigen.

Es heißt, das Kind zu vermissen, während man konzentriert ist.

Und die Arbeit zu vermissen, während man auf dem Spielplatz sitzt. Beides gleichzeitig. Und oft ohne Worte dafür.

Mental Load ist nicht laut. Er ist einfach immer da

Was mich am meisten überrascht hat, war nicht die Müdigkeit. Die hatte ich erwartet. Was mich wirklich erwischt hat, war dieser ständige innere Lärm. Dieses permanente Mitdenken. Wer braucht was. Wann. Was fehlt noch. Ob ich daran gedacht habe, den Termin zu bestätigen. Ob ich die Mail schon beantwortet habe oder nur im Kopf. Nichts davon ist dramatisch. Aber alles zusammen ist schwer. Man nennt das Mental Load.

Ich nenne es dieses Gefühl, nie ganz fertig zu sein. Denn selbst wenn ich arbeite, arbeite ich nie nur. Im Kopf läuft immer ein zweiter Tab. Schläft das Kind. Ist alles organisiert. Was kommt als Nächstes. Und selbst wenn der Partner präsent ist und wirklich mitdenkt, bleibt ein Teil davon trotzdem bei mir. Einfach, weil ich es sehe. Weil ich es spüre. Weil ich gelernt habe, es zu tragen.

Warum Arbeit sich manchmal wie ein sauberer Raum anfühlt

In diesem Chaos fühlt sich Arbeit manchmal wie ein sauberer Raum an. Ein Ort mit Anfang und Ende. Mit Aufgaben, die man abschließen kann. Mit Gedanken, die zu Ende gedacht werden dürfen.

Und ja, das fühlt sich gut an. Nicht, weil ich mein Kind weniger liebe. Sondern weil ich mich dort wieder erkenne.

Das ist etwas, das man besser nicht zu laut sagt. Denn irgendwo zwischen Spielplatz und Kaffeetisch schwebt immer diese Erwartung, dass Mutterschaft reichen sollte. Dass Erfüllung bitte aus Nähe kommen muss. Und alles andere mindestens erklärungsbedürftig ist.

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich mich dafür nicht rechtfertigen muss. Nicht für meinen Wunsch zu arbeiten. Und auch nicht für meine Erschöpfung dabei.

Egal wie du es machst, irgendwer findet es falsch

Zu früh zurück.

Zu spät zurück.

Zu ehrgeizig.

Zu weich.

Zu viel Fremdbetreuung.

Zu wenig Selbstverwirklichung.

Es gibt kein Modell, das keinen Kommentar bekommt. Keinen Weg, der allen passt. Was dabei selten gesagt wird: Viele Frauen wollen nach der Geburt wieder arbeiten, nicht trotz, sondern wegen ihrer Mutterschaft. Weil Arbeit Sicherheit gibt. Weil sie Eigenständigkeit schafft. Weil sie einen Teil der eigenen Identität stabil hält, während alles andere sich neu sortiert.

Und trotzdem fühlt es sich oft an, als müsste man sich dafür erklären. Vor anderen. Vor sich selbst. Manchmal sogar vor dem eigenen Kind, obwohl es noch gar nichts versteht.

Ambivalenz ist kein Fehler

Es gibt Tage, da fühle ich mich zerrissen. Und Tage, da fühlt sich genau dieses Nebeneinander plötzlich richtig an. Nicht leicht. Aber stimmig. Ich kann mein Kind lieben und meine Arbeit brauchen. Ich kann präsent sein und mich selbst vermissen. Ich kann beides wollen, ohne mich entscheiden zu müssen, wer ich davon bin.

Vielleicht ist genau das der Punkt, über den wir ehrlicher sprechen müssten. Nicht darüber, wie man alles unter einen Hut bekommt. Sondern darüber, dass der Hut manchmal zu klein ist. Und dass das kein persönliches Versagen ist.

Vielleicht gibt es kein richtiges Modell

Vielleicht geht es gar nicht darum, das alles irgendwann hinzubekommen. Vielleicht ist genau das der Denkfehler. Ich glaube nicht mehr an den Zustand, in dem sich alles richtig anfühlt. Stattdessen gibt es Tage, an denen ich mich klar fühle. Und Tage, an denen ich einfach nur funktioniere.

Beides gehört dazu. Ich bin keine bessere Mutter, wenn ich mich selbst klein halte. Und keine schlechtere, wenn ich mir Raum nehme. Ich bin einfach eine Mutter, die lebt. Und arbeitet. Und manchmal müde ist.

Working Mama ist kein Etikett. Es ist ein Versuch, Worte für das Leben nach der Geburt zu finden, wenn Arbeit, Verantwortung und Identität neu sortiert werden müssen.

Über mich

Ich bin Mutter von drei Kindern.

Meine ersten beiden Kinder habe ich spontan geboren. Nach der zweiten Geburt vergingen zwölf Jahre, bevor ich mich noch einmal bewusst für ein Kind entschieden habe.

Mein drittes Baby kam per geplantem Wunschkaiserschnitt zur Welt. Diese Geburt war vorbereitet, selbstbestimmt und für mich heilsam. Sie hat meinen Blick auf Geburt, Entscheidungen und Verantwortung nachhaltig verändert.

Ich bin 40 Jahre alt und mitten im Arbeitsleben. Neben meinem Projekt SECTOULA®, das sich mit selbstbestimmter Kaiserschnittgeburt beschäftigt, arbeite ich gemeinsam mit meinem Mann. Arbeit und Baby gleichzeitig zu leben ist kein Idealbild, sondern ein echter Spagat. Anstrengend. Herausfordernd. Und trotzdem die größte Erfüllung, die ich kenne.

Ich schreibe über Mutterschaft, Arbeit, Identität und die Realität dazwischen. Aus eigener Erfahrung.

Ciydem Cinar: Expertin für Kaiserschnitt-Geburtsvorbereitung

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